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Cellesche Zeitung, 8. April 2016

Autor: Michael Ende

Gutes Sehen darf kein Luxus sein. Davon ist der Celler Augenoptikermeister Andreas Fiemel überzeugt. Dabei denkt er nicht nur an Kunden vor Ort, sondern auch an Menschen in Afrika. In Uganda hat Fiemel bereits 2014 rund 500 fehlsichtigen Menschen speziell für sie gefertigte Brillen geschenkt. Jetzt war er erneut in Afrika. Sein „Vision Aid Project“ ist dort ein echter Lichtblick.

 

augenmessung1CELLE. Fiemel begleitet seither die Hilfseinsätze für die ugandische Organisation "Celebrate Hope Ministries". Sie wurde als unabhängige, überparteiliche und überkonfessionelle Hilfsorganisation 2010 gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, nachhaltig, durch Schulbildung und Kaffeeanbau, das Leben der Menschen im Rakaii-Distrikt an der Grenze zu Ruanda zu verändern. „Den Menschen wird dadurch ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben ermöglicht“, erläutert Fiemel.

Sehvermögen, im Englischen „vision“, durch neue, individuell angepasste Brillen zurückzugeben ist das Ziel des Vision Aid Projects. Aus diesem Ziel ist eine neue Vision entstanden. „Jetzt sollen vor Ort Optiker ausgebildet werden. Dies bietet nicht nur den angehenden Optikern eine Zukunftsperspektive, sondern auch den Menschen vor Ort, die dringend Brillen benötigen. Denn bislang gibt es im weiten District Rakaii keinen Optiker“, so Fiemel. Gutes Sehen ist wichtiger Teil der Lebensqualität und in den Weiten Afrikas auch überlebensnotwendig.

Fehlsichtigkeiten kommen in der ugandischen Bevölkerung vergleichbar oft wie in Deutschland vor. Die Versorgungslage entspricht jedoch bei weitem nicht der unseren. „Es gibt zwar wenige Optiker in der Hauptstadt Kampala, deren Angebote preislich mit deutschen Verhältnissen vergleichbar sind. In vereinzelten Medical Centers erhält die Bevölkerung auf dem Lande mitunter hilfsweise Brillen, in der Regel ausgemusterte alte Brillen aus Spenden, die fast nie den eigentlichen Sehschärfen entsprechen. Das ist problematisch, sagt Fiemel. Von den 1230 Menschen, bei denen Fiemel 2015 eine Augenprüfung vornahm, brauchten 604 eine Brille.

Ein paar wenige hatten schon eine Brille. Einer von ihnen war Kasuumba Sharif. „Er ist Schüler der Insula Highschool und benötigt eine Brille mit -12 Dioptrien. Seine Brille mit gerade mal -8 Dioptrien war nicht annähernd ausreichend, um in der Schule sehen zu können“, sagt Fiemel. Seine Familie hatte für die Brille in einem Medical Center umgerechnet 25 Euro gezahlt. Das entspreche etwa zwei Monatseinkommen einer ugandischen Familie: „Erst durch den Einsatz des Vision Aid Projects hat Kasuumba Sharif nun eine Brille erhalten die seinen Werten entspricht und so sein Leben verändert hat.“ Gerade für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die noch zur Schule gehen oder in Ausbildung sind, sei eine Korrektur der Fehlsichtigkeiten lebensentscheidend.

Um diesem Mangel nachhaltig zu begegnen, wird durch das Vision Aid Project eine Optikerschule in Ssanje im Rakaii-Distrikt aufgebaut. Fiemel: „Unser Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren dort geeignete Kandidaten durch deutsche Augenoptikermeister und Fachpersonal auszubilden. Der Unterricht wird in vier bis sechs Blöcken von zwei Wochen stattfinden.“ In den Zwischenzeiten würden die Kandidaten von Mitarbeitern der ugandischen Hilfsorganisation betreut und ihre Lernfortschritte durch Wissensprüfungen per Email aus Deutschland abgefragt: „Am Ende der zwei Jahre werden die Auszubildenden fähig sein, einfache Augenprüfungen durchzuführen, Brillen mit passenden Gläsern zu fertigen und diese den Menschen vor Ort individuell anzupassen.“

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Fiemel ist gerade wieder aus Uganda zurück: „Ich habe dort erstmals 13 junge 

Menschen aus Uganda in der neu gegründeten privaten Augenoptikerschule unterrichtet. Diese jungen Damen und Herren im Alter von 19 bis 34 Jahren haben sich im Bewerbungsverfahren per Test bereits im November letzten Jahres qualifiziert.“ Er habe ihnen Grundlagenwissen zum menschlichen Auge und dessen physikalischen Gegebenheiten nähergebracht. In den weiteren Blöcken lernen die Schüler, auf einfache Art und Weise Augen zu prüfen, Brillen anzufertigen und diese fachgerecht anzupassen.

Sein Ziel hat Fiemel klar vor Augen: „Die ausgebildeten Augenoptiker mit ihren einzelnen, eigenständigen Filialen und ihren mobilen Messeinrichtungen bilden ein flächendeckendes Netz. Eine noch einzurichtende Zentralwerkstatt sichert die Fertigung der benötigten Brillen. Und ein Moped-Botendienst liefert die gefertigten Brillen dann aus. So werden auch die Menschen erreicht, die weit außerhalb und entlegen wohnen.“ Innerhalb der nächsten zwei bis vier Jahren werde so gewährleistet sein, dass bis zu 70.000 Menschen innerhalb von 14 Tagen mit bezahlbaren Brillen versorgt werden können. „Und zusätzlich werden die ausgebildeten Augenoptiker in die Lage versetzt, sich und ihre Familien zu ernähren.“

Patenbetriebe und Mentoren für Projekt gesucht

Fiemel sucht noch Mitstreiter: „Wir benötigen noch weitere Patenbetriebe und Mentoren, die mit ihrem Beitrag das Leben einer konkreten Familie und einer ganzen Region in Uganda verändern wollen. Es sind erst fünf Betriebe im Boot.“ Die Finanzierung dieses Projektes läuft ausschließlich aus Mitteln, die privat über Patenschaften generiert würden: „So suchen wir Betriebe, die einen Schüler in Uganda unterstützen. Hier handelt es sich um eine reine finanzielle Unterstützung, für die die Betriebe eine Spendenquittung erhalten. Selbstverständlich trage ich die Kosten für meine eigene Ausbildungstätigkeit einschließlich sämtlicher Reisekosten selbst.“ Fiemel ist unter Telefon (05141) 207020 und per E-Mail an patenschaft@visionaidproject.com zu erreichen.

 
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